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Flugbericht Lancair 235 D-EHAR
+ Prebuy Flugbericht von unserem Vereinsmitglied Tobias Wilmes.
Datum: 22.07.02
Pilot: Sarnecke
Co: Wilmes
Wetter: EDVE 221050Z 26014G24KT 9999 -SHRA SCT020 BKN036 15/12 Q1015
T/O: 11:00
L/D: 11:20
Area: Nördlich November 1
Flughöhe: 1200-1800ft
Rundgang:
Das Flugzeug ist in einem guten Allgemeinzustand. Die Haube hat an
der linken Seitenkante eine 1*1cm großes ausgebessertes Laminat. Das
deutet darauf hin, dass beim schließen der Haube allgemein Vorsicht
geboten ist. Durch die fast 2 Punkt artige Aufhängung kann Sie
außerdem leicht verkantet werden. Das Haupfahrwerk ist durch
Gummipuffer gedämpft. Der rechte Flügel hat an den Spitzen einen
10cm langen Riss im Lack, die untere Schicht ist davon aber nicht
betroffen. Eine kleine ‚Macke‘ bis aufs Laminat ist oben auf dem
linken Höhenleitwerk. Die Stelle ist etwas ungewöhnlich.
Cockpit:
Beim Einsteigen muss man sich auf den Sitzen abstützen und sollte
sich nicht an der sehr ‚wackeligen‘ Glasskuppel festhalten. Beim
Sitzen auf dem rechten Platz fällt der relativ geringe Abstand von
Sitzfläche zur Glaskuppel auf. Mit 1.82 Körpergröße (1.84 mit
Kopfhöhrer) kommt man an die Grenzen und stößt bei böigen Wetter mit
dem Headset leicht an die Kuppel. Auf dem linken Sitz kommt man nach
Aussage des Piloten bei Körpergröße 1.90 an die Grenzen. Das Cockpit
ist relativ eng gebaut, man sitzt buchstäblich Schulter an Schulter
nebeneinander. Die Instrumente sind größtenteils übersichtlich
aufgebaut. Die Antenne für das VOR ist defekt und funktioniert
nicht. Die Anstellwinkelsensoren sind eingebaut, es fehlt allerdings
ein Anzeigengerät im Cockpit. Das Anzeigengerät für die Landeklappen
ist auf der Konsole unter dem aufliegenden Arm. Im Fußraum stößt man
auf dem rechten Sitz mit den Füßen an freiliegende Kabel, Pedale
sind hier nicht vorhanden. Im Fußraum links befinden sich fest
eingebaute Pedale auf einer 2cm hohen Holzplatte montiert. Gesteuert
wird mit einem Centerstick der auf dem Sitz montiert ist und so
angebracht wurde, dass man ihn entspannt erreichen kann.
Rollen:
Das Flugzeug läßt sich innerhalb der Bahnmarkierungen bei niedrigen
Geschwindigkeiten sehr gut manövrieren. Bei Bedarf ist ein sehr
enger Wendekreis möglich.
Start:
Sehr wenig Knüppelausschläge sind erforderlich um einen Takeoff zu
initiieren. Nach kurzem Geradeausfluges, zwecks aufholen der
Geschwindigkeit, ist der Pilot in den Steigflug übergegangen.
Geradeausflug:
Der Steuerknüppel wurde vom Piloten an den Co übergeben. Die ersten
30sec nach der Übergabe des Knüppels, war eine leichte regelmäßige
Auf- und Ab-Bewegung zu spüren verursacht durch die
Knüppelausschläge. Nach dieser kurzen Eingewöhnungsphase konnte der
Bahnwinkel stabilisiert und getrimmt werden. Das sehr böige Wetter
musste dauernd durch kleine/leichte Steuerausschläge kompensiert
werden. Eine exakte ±50ft Höhenhaltung war möglich, durch die hohe
Geschwindigkeit von 150kts wurden kurze Unachtsamkeiten jedoch
gleich mit ±100ft bestraft. Hierbei lernt man schnell den Knüppel
nicht mit der ganzen Hand zu greifen sondern mit wenigen Fingern
auszukommen. Allgemein muss man die Lancair mit sehr viel weniger
Kraft fliegen als man dies von Cessna&Co gewohnt ist, dabei muss man
(zumindest bei böigem Wetter) die Flugbahn öfter korrigieren.
Geschwindigkeitsstabilität:
Bei 1500ft und ausgetrimmt 150Kts wurde der Schub reduziert um die
Geschwindigkeit bis auf 100Kts reduziert. Die dabei entstandenen
Steuerdrücke (ziehen) waren sehr gering. Hier hätte ich eigentlich
mehr erwartet.
Kurven:
Das typische Flugbild für links und rechts-Kurven ist auch bei der
Lancair vorhanden. Auch hier sind die Steuerdrücke bei 30° Kurven
sehr gering. Bei 60° und mehr werden sie größer aber bleiben relativ
klein. Steilkurven sind sehr leicht zu fliegen, man kommt ohne
Probleme auf über 2g (>60°). Das Fliegen von Kurven mit erhöhen des
Lastvielfachen gleicht dem von hochagilen Flugzeugen. Stick force
per g liegt geschätzt bei 10N/g bei 150kts und wäre damit in der
Region von heutigen Kampfflugzeugen. Etwas Probleme bereitet das
Halten der Höhe für den Anfänger auf diesem Muster. Das schnelle
Ausleiten aus den Kurven erfolgt ohne Verzögerung und präzise ohne
Überschwinger. Die Grenze für das Lastvielfache (4.4g) ist weit
entfernt und wird bei dosiertem Knüppeleinsatz in Steilkurven nicht
angekratzt.
Anflug/Landung:
Der Steuerknüppel wurde vom Co wider an den Piloten übergeben.
Angeflogen wurde mit 100ktsIAS (90Kts normal) aufgrund der
Wetterbedingungen. Die Klappen sind bei der Landung auf ¾
ausgefahren worden. Ein ausgeprägter Flare war nicht zu erkennen.
Über der Landebahn bei ausgefahrenen Klappen sank die
Geschwindigkeit schnell auf 70KtsIAS. Nach ca.400m hatten wir
Landebahnkontakt (starker Gegenwind). Nach einem leichten Flare
wurde nicht weiter am Stick gezogen um den Widerstand zu erhöhen.
Die Knüppelausschläge während des Anfluges und der Landung waren
minimal. Man hatte das Gefühl, dass sich das Flugzeug bei ca 65Kts
von ganz alleine auf die Bahn legte. Größere Ausschläge, wie man sie
beispielsweise von der G115 kennt, währen hier fatal und würden
zwangsläufig zu PIO führen. Auf der Bahn beim ausrollen, konnte der
Pilot die Mittellinie ohne Probleme halten.
Zusammenfassung:
Die Lancair ist ein sehr schnelles und agiles Flugzeug. Sie reagiert
ohne Zeitverzögerung und genau auf relativ geringe Knüppeleingaben
sowohl in der Nick- als auch in der Rollachse. Die Knüppelkräfte
sind relativ klein gegenüber Cessna&Co was dazu führt, das ungeübte
Piloten bei der Steuerung der Flugzeuges ungewünschte Schwingungen
anregen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase macht das fliegen sehr
viel Spaß. Für ein entspanntes fliegen und eine perfekte Landung
braucht man allerdings eine sehr sorgfältige Schulung.
Folgende Empfehlungen sind zu geben:
· Der jetzige Besitzer sollte die fast fertige Zulassung zu Ende
führen
· Fusspedale und Gummipuffer am Hauptfahrwerk sollten ausgetauscht
werden
· Einweisungsberechtigte sollten sich von einer geeigneten externen
Person schulen lassen
· Geschätzter Aufwand vor dem 1. Alleinflug für die Mitglieder liegt
bei ca.3-5h Flugstunden und 15-20 Landungen
· Prüfungen sollten von einer externen Person vorgenommen werden
T.Wilmes
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